Oettingen - St. Jakob
Schloßstraße
Öffnungszeiten
täglich ab 9.30 Uhr
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]Die St. Jakobskirche in Oettingen
Die St. Jakobskirche ist ein großer, heller, barock ausgestalteter Kirchenraum. Der barocke Stuck stammt aus der Zeit von 1680/81, als der evangelische Fürst Albrecht Ernst I. zu Oettingen-Oettingen den Kirchenraum durch den Wessobrunner Künstler Mathias Schmuzer d.J. ausgestalten ließ.
Die Geschichte der Kirche reicht weit hinter diese Zeit zurück. Nachdem Oettingen im Jahre 1312 zur selbständigen Pfarrei erhoben worden war, wurde bis 1326 der Chor der St. Jakobskirche errichtet. 1494 war der Bau der Kirche soweit fertig gestellt, dass die feierliche Weihe stattfinden konnte.
Gut dreißig Jahre später begann in Oettingen die Reformation Fuß zu fassen. Im Jahre 1542 kamen der evangelische Graf von Oettingen-Oettingen und der katholische Graf von Oettingen-Wallerstein, die sich die Residenzstadt teilten, überein, die St. Jakobskirche als evangelische und St. Sebastian als katholische Kirche zu nutzen.
Blickt man von der Mitte der Kirche in Richtung Chorraum, fällt zuerst die Kreuzigungsgruppe auf dem Hochaltar ins Auge, die um 1500 entstanden ist. Maria, die Mutter Jesu, und der Jünger Johannes stehen in ohnmächtigen Schmerz unter dem Kreuz. Beinahe mitleidend blickt der sterbende Christus auf seine Mutter herab. Die Kreuzigungsgruppe lädt ein zum Verweilen, zur Meditation.
Mit der Kreuzigungsgruppe ist das zentrale Heilsgeschehen dargestellt. Ohne das Zeugnis der zwölf Apostel wüssten wir heute nichts davon. Und so wurden die Apostel in zwölf Medaillons rund um das Deckengewölbe des Chorraumes gruppiert. Über ihnen öffnet sich sozusagen der Himmel und lässt einen Blick in die unsichtbare Welt zu: In der Mitte ist Jesus Christus zu sehen, jetzt nicht mehr als der Leidende, sondern als der Auferstandene, der Tod und Grab überwunden hat und zusammen mit dem Vater und dem Heiligen Geist als dreieiniger Gott über Himmel und Erde herrscht.
Im Hauptschiff fallen vor allem der Taufstein und die Kanzel ins Auge. Der Taufstein, 1689 von dem Oettinger Bildhauer Konrad Thier gefertigt, zeigt Jesus, wie er gerade von Johannes dem Täufer getauft wird. Die Wasser des Jordan sind dabei in eine Jakobsmuschel gefasst.
Unter der Jakobsmuschel sitzt, mit traurigem Gesicht, den verlockenden Apfel in der Hand, Adam. Er hatte Gott misstraut, nicht geglaubt, dass Gottes Gebot gut für ihn ist. So kam die Sünde in die Welt und mit ihr der Tod.
Ein schlimmes Verhängnis, das seither auf der Menschheit lastet. Doch Gott lässt seine Geschöpfe nicht im Stich. Er selbst kommt in der Gestalt Jesu Christi auf die Erde und befreit sie durch Kreuz und Auferstehung von Sünde und Tod.
Der erste Adam, der Unheil über sich und die Welt bringt und der zweite Adam, der Heil schenkt, sind hier, ähnlich wie bei Paulus in Römer 4, 12ff., einander gegenüber gestellt.
Anteil an der Erlösung durch Christus bekommen wir durch Taufe und Glauben. So fasst der Taufstein den christlichen Glauben anschaulich zusammen.
Die Kanzel, im Jahre 1677 entstanden, wird getragen von einem gewaltigen Engel, der gerade eben erst anzukommen scheint, um die frohe Botschaft zu verkündigen. In den Nischen der Kanzelwand finden sich die Personen, die das Evangelium von Jesus Christus schriftlich festgehalten haben: Matthäus mit seinem Symbol, dem Engel, Markus mit dem Löwen, Lukas mit dem Stier, Johannes mit dem Adler, und, in der Mitte, Paulus mit der Waffe, mit der er hingerichtet wurde, dem Schwert.
Auf dem Kanzeldeckel stehen triumphierende Putten, die Marterwerkzeuge Christi in der Hand. Weder Marter noch Tod konnten Jesus Christus gefangen halten. Der Auferstandene steht als Sieger hoch über allen.
Die Deckengemälde im Hauptschiff, Ende des 17. Jahrhunderts geschaffen von dem Augsburger Maler Johann Georg Knappich, erzählen von wichtigen Stationen aus dem Leben Jesu: Auf der hellen Seite im Süden sind die Ankündigung der Geburt Jesu durch den Engel Gabriel, die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem und die Darstellung Jesu im Tempel zu sehen.
Daran schließt sich – über der Orgel – ein Bild an, das Jesus schon während seines Erdenlebens als wahren Gott zeigt. Es ist die Geschichte von der Verklärung: Jesus geht mit wenigen, ausgewählten Jüngern auf einen Berg. Dort geschieht mit ihm eine Veränderung. Plötzlich leuchten Gesicht und Kleider Jesu in göttlichem Licht und Gott selbst bekennt sich zu Jesus, seinem lieben Sohn, an dem er Wohlgefallen hat.
Für die dunkle Seite, die Nordseite, hat der Künstler drei Szenen aus der Leidensgeschichte Jesu ausgewählt: Links, über der Empore, der betende Jesus im Garten Gethsemane, in der Mitte die Kreuzigung und rechts die Grablegung.
Die drei großen Bilder an der Mitte der Decke erzählen vom Triumph des Gottessohnes – neben der bereits erwähnten Geschichte von der Verklärung sind zunächst die Auferstehung und, in der Mitte als Höhepunkt, die Himmelfahrt Jesu zu sehen.
Die dreimanualige, mit 46 Registern ausgestattete Orgel wurde 1946 von der in Oettingen ansässigen Firma Steinmeyer in das barockisierte Gehäuse der Vorgängerorgel gesetzt. Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg unter denkbar schwierigen Bedingungen gebaut, ist sie mittlerweile wegen ihres technischen Aufbaus und ihrer klanglichen Ausgestaltung ein wertvolles Zeitdokument.
Im Kirchenschiff und im Chorraum finden sich zahlreiche Epitaphien, die an Mitglieder des Fürstenhauses und des Hofes bzw. an verdiente Oettinger Bürger erinnern. Viele der Grabplatten im Kirchenschiff hatten ihren Platz ursprünglich auf dem Friedhof, der die Kirche bis 1807 umgab. Um sie vor Verwitterung zu schützen, wurden sie bei der letzten Kirchenrenovierung in die Kirche geholt und geben Zeugnis vom Leben und Glauben früherer Generationen.
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